

Entwurf für ein Denkmal für die Moderne in Berlin
Heute kann die Zukunft nicht mehr gefunden werden, in den Momenten der Gegenwart die über diese hinausweisen – es gibt keinen Kommunismus in Latenz, es gibt keine neue Gesellschaft die in der Alten schon schläft-, sondern, muss zuvor aus den Momenten der Vergangenheit abgelöst werden, in denen sie steckengeblieben ist. Abgerissene Linien.
Bini Adamczak, Gestern - Morgen S. 107
Die Moderne ist keine Erfahrung die nun hinter uns liegt, denn wir sind noch immer mit den Prozessen konfrontiert, die Kern der modernen Epoche sind: die ständige Revolutionierung der Produktionsmittel und die Auflösung traditioneller Bindungen. Was aber abhanden gekommen ist, ist das Versprechen, das an diese Prozesse geknüpft war: eine neue, kommende, gerechtere, freiere Gesellschaft, kurz, das Versprechen der Emanzipation. Wir befinden uns in der paradoxen Situation sowohl in der Moderne als auch nach der Moderne zu leben.
Das Scheitern des modernen Emanzipationsversprechens wurde zum Nenner der politischen Gegenwart, als angebliches Ende der Geschichte oder als Krise des Politischen. Denn, so die gegenwärtige Erzählung: Wir leben zwar nicht in der besten vorstellbaren Welt, aber in der besten aller realisierbaren Welten, nämlich in der, die der “Natur des Menschen” am besten entspreche.
Die aktuelle Ablehnung moderner Architektur richtet sich denn auch nicht gegen ihre Ästhetik, sondern dagegen, dass Architekten versuchten, mit den Mitteln der Architektur diese neue, kommende Gesellschaft zu adressieren, und, im schlimmsten Fall, gar zu planen. Die Kritik an autoritärer Planung und “Social Engineering” verkehrte sich schließlich in ihr Gegenteil: in ein restauratives Projekt, das sich die Errungenschaften des Sozialstaats zur Beute macht.
Das Denkmal für die Moderne ist eine Collage, zusammengesetzt aus Fragmenten verschiedener moderner Architekturen im Massstab 1:1. Angelehnt an die klassisch modernen Figuren - das Schiff, die aufgeständerte Großform, skulpturales Objekt im Grünen - geht es dem Denkmal für die Moderne nicht darum, einen modernen Idealraum zu re-konstruieren, sondern darum, ein fragmentiertes Gedächtnis neu zu konstruieren.
Das Denkmal ist ein räumliches Archiv verschiedener Realismusstrategien der Architektur: Eine Ansammlung von Methoden wie mit Architektur das Verhältnis von gesellschaftlicher Wirklichkeit und planerischer Konstruktion zu adressieren ist.
Es versammelt spezifische und generische Räume, Räume die ihre Herstellungsweise offenlegen, Räume für neue Gesellschaften und Räume die die Bestehende verbessern sollten. Räume die angeeignet wurden und Räume die abgerissen werden sollen.
Als performativer Raum soll es in der Verlängerung der Achse „Unter den Linden“ zwischen dem „Schlossplatz“ und dem Marx-Engels Forum stehen. Durch eine Deckelung der Spree wird ein Grünraum vom Alexanderplatz bis zum Aussenministerium hergestellt und das Denkmal wird zu einem verbindenden Objekt in der Landschaft.
Die Zukunft des Schloßplatzes wurde bislang immer über architektonische Formen und vermeintliche Ensembles diskutiert; ohne eine wirklich schlüssige Idee, was denn an diesem Ort stattfinden solle. Diesem Zustand der Leere möchte ich den ihm angemessenen Raum geben - ein Denkmal, das thematisiert was hier abwesend ist: Das Versprechen der Zukunft.
Das Gebäude ist keinem Programm unterworfen, es ist leer und verschlossen. An einigen wenigen Stellen von außen begehbar, um flüchtige Blicke in sein Inneres zu ermöglichen.
Was würde passieren, wenn inmitten von Berlin dieses Gebäude steht?
Für keine Nutzung gemacht, aber komplett funktionstüchtig: erschlossen durch Brücken, Gänge, Laubengänge, Fahrstühle und Treppen, mit Wohnräumen, Arbeitsräumen, Ausstellungsräumen, Lagerräumen, Aufführungs- und Veranstaltungsräumen, Balkonen und Terrassen.
Welche Begehren würden tagtäglich in diesen weithin sichtbaren Raum projiziert werden?
Robert Burghardt Herbst 2009
Vielen Dank: Stephan Becker, Oliver Clemens, Benjamin Cölle, Tashy Endres, Karl Hammerschmitt, Anna Heilgemeir, Sabine Horlitz, Marija Milinkovic, Martin Murrenhoff, Johannes Raether, Ines Schaber, Anna Schmidt, Astrid Schürmann, TU Berlin (Chair for Urban Design: Sandra Bartoli, Mathias Heyden, Jörg Stollmann), Giulia Tubelli, Emma Williams, Inga Zimprich
Kontakt: info [at] denkmal-für-die-moderne.de
oder: info [at] monument-for-modernism.com